"Du bist jetzt 50, tritt mal kürzer“ – Und andere Märchen aus der Komfortzone
AUS DEM ECHTEN LEBEN · GESUNDHEIT & SELBSTHEILUNG
Über gerissene Kreuzbänder, hartnäckige Schokoladensucht und das Vertrauen in den eigenen Körper.
Lesedauer ca. 7 Minuten · Echte Geschichte. Kein Perfektionsversprechen.
Sechs Wochen vor meinem 50. Geburtstag habe ich mir beim Reiten das Kreuzband gerissen. Nichts Spektakuläres – es ist einfach beim Aufsitzen passiert.
Kein Sturz und kein Drama, nur ein komisches Geräusch und der höllische Schmerz.
In 40 Jahren Reitsport war das erst mein zweiter Unfall mit einer größeren Verletzung.
Mit 14 hatte ich mir den Arm gebrochen.
Ansonsten: Nur die üblichen kleinen Blessuren, die mit Pferden einfach dazugehören. Aber nichts, was mich wirklich aus der Bahn geworfen hätte.
Diesmal schon.
Zu meinem Geburtstag konnte ich einigermaßen mit Krücken laufen.
Einigermaßen. Das war mein 50. Geburtstag.
„Jetzt, wo du 50 bist, darfst du ein bisschen kürzertreten.“
Das war der Lieblingssatz meiner Gäste auf der Geburtstagsfeier. Ich weiß, sie das war lieb gemeint. Trotzdem hat das wehgetan – irgendwo tief drin hörte ich eine kleine Stimme fragen: Und was, wenn sie recht haben?
Der Reitsport sei zu gefährlich meinten sie.
Alles in mir sträubte sich dagegen. Und trotzdem lähmte es mich. Was, wenn meine Mutter recht hatte, die seit Jahren sagte: „Komm erst mal in mein Alter, dann wirst du schon sehen.“
😄 Mütter haben eine ganz besondere Begabung dafür, Sätze zu sagen,
die man jahrelang nicht loswird. Auch wenn sie es aus Liebe tun.
Zum Glück war ich über die Berufsgenossenschaft versichert und konnte sechs Monate Physiotherapie machen.
Das hat nicht nur mein Knie wieder aufgebaut, sondern auch meinen Glauben in meine Selbstheilungskräfte – und der war es, der mich wirklich gerettet hat.
Ich entschied mich gegen den Rat der Ärzte gegen eine Operation. Mit dem leisen Bewusstsein, dass ich verantwortlich für die Konsequenzen war.
Und damit war ich wieder auf Spur. Manches ging schwerer als vorher – aber ich konnte nicht genau sagen, woran das lag.
Fünf Jahre später: Das andere Knie.
Ähnliche Verletzung, nur diesmal beim Skifahren. Die Ärztin riet eindringlich: Sie müssen das operieren lassen. Unbedingt. Der Knochen ist verschoben, das macht irgendwann Arthrose.
Ich blieb bei meiner Meinung. Gleiches Training wie damals. Ich kannte den Weg ja schon. Und diesmal war ich innerhalb von sechs Wochen wieder fit. Weniger Angst, mehr Vertrauen, schnellere Heilung.
Zehn Jahre nach dem ersten Kreuzband habe ich nie wieder Schmerzen gehabt. Das einzige: bei Drehungen ist das Knie nicht 100% stabil. Aber ich will kein Fußball spielen. Und auch kein Tennis.
Zwanzig Jahre Rückenschmerzen. Alle Ärzte. Kein Ergebnis.
Mit derselben Haltung wurde ich schließlich auch meine Rückenschmerzen los – und die begleiteten mich schon seit Mitte 30. Also gut zwanzig Jahre.
In dieser Zeit habe ich wirklich alles versucht. Jeden Arzt. Jeden Schmerztherapeuten. Injektionen, Physiotherapie auf Rezept, Spritzen in die Wirbelsäule, Schmerzmittel, Entspannungsübungen.
Die Diagnosen variierten, die Empfehlungen auch – aber das Ergebnis blieb dasselbe: Die Schmerzen gingen, kamen wieder, gingen, kamen wieder.
😄 Irgendwann kennt man die Wartezimmer von Schmerztherapeuten so gut, dass man die Zeitschriften auswendig kennt. Das ist kein Zeichen von Fortschritt.
Was mir letztendlich geholfen hat, war nicht ein weiterer Spezialist – sondern das Training, das ich wegen meines Knies begonnen hatte, kombiniert mit dem wachsenden Verständnis dafür, was mein Körper wirklich braucht. Bewegung.
Die richtigen Nährstoffe. Und weniger innerer Stress. Der Rücken ist halt kein isoliertes Problem. Er hält alles mit – auch das, was man nicht sieht.
Dann kamen die Wechseljahre. Na toll.
Stimmungsschwankungen. Magen-Darm-Beschwerden. Dieses diffuse Stressgefühl ohne erkennbaren Grund. Hitzewallungen natürlich. Das volle Programm.
„Da musst du dich dran gewöhnen“, sagte man mir. „Oder du nimmst Hormone.“
Beides: keine Option für mich. Also machte ich das, was ich immer mache – ich suchte nach Ursachen.
😄 Ich habe gelernt: Wenn der Körper rebelliert, hat er etwas wichtiges zu sagen.
Man muss nur bereit sei zu zuhören.
Die Antwort kam – wie so oft – zufällig. Ich schrieb gerade einen Artikel über artgerechte Pferdehaltung. Ich setze mich seit 30 Jahren dafür ein, praktiziere sie selbst.
Bei meinen Pferden untersuche ich regelmäßig den Gesundheitszustand, achte auf Mineralfutter, gebe nur das Beste.
Und dann fragte ich mich, mitten im Schreiben:
Lebe ich eigentlich artgerecht?
Eine Tafel Schokolade. Täglich. Ohne Ausnahme.
Die ehrliche Bestandsaufnahme: Salat und Gemüse – ja, gerne, schon immer. Aber dazu immer etwas Süßes. Kuchen. Und Schokolade sowieso. Kein einziger Tag verging ohne eine ganze Tafel.
Ab 50 nahm ich auch zu. Nie über 65 Kilo – aber mein Wohlfühlgewicht sind 58 Kilo, und der Unterschied war für mich spürbar.
Meine Ärztin schlug Alarm wegen des Langzeit-Blutzuckerwerts. Die Bauchspeicheldrüse war überlastet.
Ich wollte den Zucker weglassen. Klingt einfach. War es aber leider nicht.
Es war ein konstantes Ringen – nur wenn ich gut drauf und ausgeruht war, konnte ich dem Verlangen widerstehen. Und das war nicht oft genug.
Irgendwann stieß ich bei meiner Recherche über Mikronährstoffe auf Magnesium und begann es zusammen mit Vitamin D und C einzunehmen – Letzteres braucht der Körper zur Aufnahme.
Es dauerte keine zwei Tage. Ich war wesentlich entspannter. Weniger innerer Stress – obwohl wir mitten in der Hauptsaison unseres Gastronomiebetriebs waren. Und: weniger Verlangen nach Süßem.
Magnesium war der Anfang. Später beschäftigte ich mich mit der ganzheitlichen Nährstoffversorgung, was mein Wohlbefinden noch eine Stufe höher brachte.
Fasten als Reset Knopf
Der echte Gamerchanger war die radikale Reduktion der Kohlenhydrate.
Im September begann ich meine jährliche die Fastenkur mit ausschließlich Grünen Smoothies (nur grün! kein süßes Obst drin).
Diesmal ging sie länger als geplant, weil ich mittendrin Corona bekam.
Ich war einen einzigen Tag komplett ausgeknockt.
Am nächsten Tag war ich wieder fit – bis auf Schnupfen und null Appetit.
Wahrscheinlich ging es mir durch die Wirkung von Vitamin C und D so schnell wieder besser.
Eigentlich wäre das Fastenbrechen angesagt gewesen. Aber ich vertraute meinem Körper und zwang mich nicht zum Essen. Der Appetit kam nach weiteren fünf Tagen zurück.
Zum Fastenbrechen aß ich – statt des empfohlenen Apfels – ein paar Blätter Salat. Damit blieb die Ketose erhalten.
Das ist jetzt fünf Jahre her. Seitdem habe ich keinen Süßhunger mehr. Keinen. Nicht mal Lust auf Kuchen oder Schokolade.
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Ein neues Weltwunder: Salat statt Torte.
Eine Geschichte, die alles zusammenfasst: Mein Mann und ich waren mit dem Fahrrad unterwegs, kamen an einem wunderschönen Café vorbei. Herrliche Käsesahnetorte. Schwarzwälder. Ich liebe diese Torten.
Ich bestellte einen Salat.
😄 Mein Mann schaute mich an als wäre ich ein weiteres Weltwunder. Ich hatte wirklich keine Lust auf Torte. Ich hatte mehr Lust auf den Salat. Krass, oder?
Das zeigt mir: Der Körper kann lernen, wieder das Signal zu geben, was ihm wirklich gut tut – statt das, was die Sucht vorschreibt.
Heute esse ich hin und wieder ein Eis. Kuchen gar nicht mehr. Das weiße Mehl und der Zucker bekommen mir nicht.
Schokolade esse ich auch nicht mehr. Aber heiße Schokolade ohne Zucker, ja. Und Kakaonibs ins Müsli – liebend gerne.
Denn Schokolade liebe ich noch immer. Sie braucht nur keinen Zucker.
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Ü60. Und besser als mit 40.
Wenn ich heute zurückschaue, kann ich das ganz nüchtern sagen: Ich fühle mich körperlich und seelisch mit über 60 besser als mit 40.
Mit 40 hatte ich chronische Rückenschmerzen, eine Schokoladensucht, die mich täglich beschäftigte, und das unterschwellige Gefühl, dass der Körper irgendwie nicht mitspielt.
Ich funktionierte. Aber ich war nicht wirklich bei mir.
Heute reite ich noch. Heute steige ich auf Berge. Heute jogge ich. Mit zwei Knien ohne Kreuzband – und ohne Schmerzmittel.
Das klingt vielleicht wie Werbung für irgendetwas. Ist es nicht.
Es ist das Ergebnis von zwanzig Jahren Suche, vielen Umwegen, einer Menge Zweifel und dem sturkopfigen Entschluss, dem eigenen Körper mehr zu trauen als dem nächsten Gutachten.
Ich sage nicht, dass mein Weg der richtige für alle ist. Ich sage nur: Wenn dir alle sagen, du sollst kürzertreten – und du spürst, dass das nicht stimmt – dann lohnt es sich, weiterzufragen.
Der Körper weiß oft mehr als wir glauben. Man muss ihm nur die Chance geben, zu antworten.
Die Frage ist nicht, ob man mit 50 oder 60 alt ist. Die Frage ist, ob man aufgehört hat, neugierig auf sich selbst zu sein.
Das ist keine Erfolgsgeschichte im Sinne von: Ich habe alles richtig gemacht. Es ist eine Geschichte voller Umwege, Schmerzen und Momente, in denen ich nicht wusste, ob ich richtig lag. Aber ich habe gelernt, meinem Körper zu vertrauen – und das war die wichtigste Entscheidung meines Lebens.
Was ist deine Geschichte?
Vielleicht ist auch bei dir irgendetwas, das sich „halt so“ anfühlt – und auf eine Frage wartet, die du dir noch nicht gestellt hast.